Gespräch & Assessment-Center
Assessment-Center im öffentlichen Dienst: Gruppendiskussion, Rollenspiel, Vortrag
Was erwartet mich im Assessment-Center einer Behörde?
Ein Assessment-Center (AC) besteht aus mehreren Übungen, bei denen Beobachterinnen und Beobachter dein Verhalten nach festen Kriterien bewerten. Häufig sind eine Gruppendiskussion oder Gruppenaufgabe, ein Rollenspiel als Bürger- oder Konfliktgespräch, ein Kurzvortrag mit kurzer Vorbereitungszeit und ein Interview. Welche Übungen es gibt, beschreibt jede Behörde selbst – bei der Polizei NRW etwa zwei Rollenspiele, einen Vortrag und ein Interview.
Inhalt
Welche Behörden welche Übungen nennen
Die Bestandteile unterscheiden sich je nach Arbeitgeber. Die Übersicht fasst zusammen, was die Behörden selbst veröffentlichen (Stand der Prüfung: 20.10.2026).
| Arbeitgeber | Übungen laut eigener Beschreibung |
|---|---|
| Polizei NRW | zwei Rollenspiele (Konfliktgespräch, ca. 5 Min.; Situation in einer Führungsstelle mit Unterlagen und Telefonaten), Vortrag nach 15 Min. Vorbereitung (ca. 5 Min.), Interview; Rangordnungswert mindestens 85 |
| Zoll, mittlerer Dienst | Gruppenübung mit Diskussionsbeiträgen, Rollenspiel, Interview auch mit Wissen über den Zoll |
| Zoll, gehobener Dienst | mündlicher Teil, zusätzlich Kurzvortrag |
| dgp (Kommunen) | Einzelgespräch, häufig ergänzt um Gruppendiskussion mit 4 bis 7 Personen, Gruppenaufgabe oder Kurzvortrag |
| Finanzverwaltung NRW | Assessment-Center beim LBV NRW in Düsseldorf; laut Ablaufbeschreibung 2021/22 mit Gruppenaufgabe, Einzelpräsentation, Vorstellungsgespräch und Re-Test |
Die genauen Aufgaben erfährst du erst am Tag selbst. Üben kannst du die Abläufe. Bewertet wird nicht Fachwissen, sondern wie du mit Menschen, Regeln und Zeit umgehst. Die dgp nennt als Beobachtungskriterien unter anderem soziale Kompetenz, Kommunikationskompetenz, Engagement, emotionale Stabilität und Motivation.
Gruppendiskussion und Gruppenaufgabe
In der Diskussion tauscht ihr Argumente zu einem Thema aus, in der Gruppenaufgabe liefert ihr in begrenzter Zeit ein gemeinsames Ergebnis – eine Entscheidung, eine Rangfolge, einen Plan. Ein guter Beitrag folgt vier Schritten: an das Gesagte anknüpfen, einen eigenen Punkt nennen, ihn begründen, mit einer Frage oder einem Vorschlag überleiten. Er dauert selten länger als eine halbe Minute.
In Gruppenaufgaben helfen Rollen: Zeit, Protokoll, Moderation. Schlage sie vor, wenn niemand es tut, aber reiß nicht alle an dich. Organisiere den Ablauf: Auftrag klären, Vorgehen planen, Ideen sammeln, nach vereinbarten Kriterien entscheiden, Ergebnis laut zusammenfassen. Durchsetzen heißt begründen, nicht lauter werden.
Rollenspiel: Bürger- und Konfliktgespräch
- Begrüßung: Namen nennen, Anliegen erfragen.
- Klärung: zuhören, nachfragen, mit eigenen Worten zusammenfassen.
- Lösung: Regel und Grund erklären, Möglichkeiten innerhalb der eigenen Zuständigkeit anbieten, sonst an die zuständige Stelle verweisen.
- Abschluss: Ergebnis und nächste Schritte zusammenfassen, verabschieden.
Deeskalierend wirken aktives Zuhören, das Anerkennen von Gefühlen („Ich verstehe, dass Sie verärgert sind“ – ohne damit einen Fehler zuzugeben), Ich-Botschaften und eine ruhige Stimme. Trenne Sache und Person, und achte auf das Interesse hinter einer Forderung. Versprich nie ein Ergebnis, über das du nicht entscheidest: „Über eine Fristverlängerung entscheidet meine Vorgesetzte. Ich lege ihr Ihre Bitte heute vor.“
Kurzvortrag und Präsentation
Das Thema bekommst du meist erst vor Ort. Ein bewährter Aufbau: Einleitung mit Einstieg, Ziel und Gliederung (etwa 15 %), Hauptteil mit drei Punkten aus Aussage, Begründung und Beispiel (etwa 70 %), Schluss mit Fazit in einem Satz und Empfehlung (etwa 15 %). Drei Punkte kann dein Publikum behalten.
Für 15 Minuten Vorbereitung eignet sich: 2 Minuten Aufgabe lesen, 4 Minuten Stoff sammeln, 3 Minuten gliedern, 4 Minuten Flipchart oder Karten, 2 Minuten ersten und letzten Satz formulieren. Beim Vortrag erst auf das Flipchart zeigen, dann wieder zum Publikum sprechen. Zeit einhalten ist Teil der Aufgabe.
Typische Fehler
- Vielreden oder Schweigen: Monologe lassen andere nicht zu Wort kommen; wer schweigt, gibt nichts zum Bewerten.
- Unterbrechen und gegen Personen argumentieren: „Das ist doch Unsinn“ statt „Das sehe ich anders, weil …“.
- Im Rollenspiel zu schnell zur Lösung: Wer nicht klärt, löst das falsche Problem.
- Unzulässige Zusage: „Das kriegen wir schon hin“ bei einer Entscheidung, die du nicht treffen darfst.
- Zu viele Punkte im Vortrag und kein Fazit.
Übungsbeispiele mit Lösung
Erst selbst lösen, dann die Lösung aufklappen.
Beispiel 1: Diskussionsbeitrag
Thema: „Sollen Bürgerbüros auch samstags öffnen?“ Mia: „Ich bin dafür, viele Berufstätige schaffen es unter der Woche nicht.“ Ben: „Dann fehlen die Leute unter der Woche.“ Formuliere einen Beitrag, der die Diskussion voranbringt.
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„Ich greife Bens Punkt auf: Personal ist knapp. Vielleicht muss es nicht jeden Samstag sein – einmal im Monat mit Terminvergabe. Ben, wäre das aus deiner Sicht machbar?“ Der Beitrag knüpft an, nimmt den Einwand ernst, macht einen Vorschlag und bezieht Ben ein.
Beispiel 2: Rollenspiel
Ein Bürger: „Jetzt soll ich schon wieder kommen? Das ist doch Schikane!“ Es fehlt die Meldebescheinigung. Wie antwortest du?
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„Ich verstehe, dass Sie sich ärgern – Sie haben sich extra Zeit genommen. Für den Antrag fehlt noch die Meldebescheinigung; ohne sie kann ich ihn nicht vollständig prüfen. Ich gebe Ihnen eine Liste mit. Wenn es zulässig ist, können Sie die Bescheinigung per Post schicken.“ Anerkennen, Sache erklären, Möglichkeit anbieten – ohne eine Bearbeitungszeit zuzusagen.
Beispiel 3: Kurzvortrag gliedern
Thema: „Wie kann eine Stadt mehr junge Menschen für die Verwaltung gewinnen?“ Entwirf eine Gliederung.
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Einstieg: „Wer von Ihnen wusste mit 16, was eine Verwaltung macht?“ Punkte: 1. Sichtbarkeit (Auszubildende berichten aus dem Alltag), 2. Einblicke (Schülerpraktika, Tag der offenen Tür), 3. schneller Bewerbungsweg (Online-Bewerbung, zügige Rückmeldung). Fazit: „Mit den Praktika beginnen, weil sie am meisten Kontakt schaffen.“
Wissenscheck: 3 Fragen
Eigene Übungsfragen, keine Originalaufgaben eines Auswahlverfahrens. Lösungen und Erklärungen lassen sich auch ohne JavaScript öffnen.
Häufige Fragen
Kann ich mich auf das Thema des Vortrags vorbereiten?
Meist nicht, weil es erst am Tag des Assessment-Centers bekanntgegeben wird. Üben lässt sich der Ablauf: Thema erfassen, drei Punkte gliedern, visualisieren, frei sprechen.
Wird im Assessment-Center Fachwissen geprüft?
Vor allem werden Verhalten und Kompetenzen beobachtet. Im Interview können aber Fragen zum Arbeitgeber kommen – der Zoll nennt ausdrücklich Wissen über den Zoll.
Begriffe im Glossar
Quellen
- Polizei NRW: Auswahlverfahren – Assessment-Center (geprüft 20.10.2026)
- Zoll: Auswahlverfahren mittlerer Dienst – mündliches Verfahren (geprüft 20.10.2026)
- Zoll: Auswahlverfahren gehobener Dienst
- dgp e. V.: Tipps zu Eignungstests (PDF, 07/2023)
- Finanzverwaltung NRW: Ablauf des Auswahlverfahrens (PDF, Verfahren 2021/22)
Die Zusammenfassung dient dem Lernen. Verbindlich sind allein Ausschreibung, Einladung und Vorgaben der Behörde, bei der du dich bewirbst. Die Einstellungstest-Wissensdatenbank ist kein amtliches Angebot und verspricht keinen Testerfolg. Einen Fehler gefunden? Schreib uns über Hilfe und Kontakt.
Weiterüben in der App
In der kostenlosen App „Einstellungstest üben“ von SIGAtech gibt es Übungstests je Arbeitgeber, ein Training mit immer neuen Aufgaben und Lektionen mit Lösungswegen. So funktioniert die App.
Weiterlesen
- Vorstellungsgespräch im öffentlichen Dienst: Fragetypen und Antworten
- Postkorbübung: Prioritäten setzen, Zuständigkeit prüfen, begründen
- Einstellungstest Polizei NRW: PC-Test, Assessment-Center und Ablauf
- Einstellungstest Finanzamt NRW: Online-Test und Assessment-Center
- Einstellungstest Zoll: mittlerer und gehobener Dienst
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